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Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Hannover e.V. wurde zur Pflege der Tradition der japanischen Teezeremonie gegründet. Daher ist die japanische Teezeremonie Bestandteil der kulturellen Arbeit der DJG Hannover.

Die DJG Hannover führt im Teehaus im Stadtpark Teezeremonien durch. Die Einheit von Teehaus und Teegarten sind laut Japan Magazin (5-6 2003, S. 25) "wohl einmalig in Deutschland".

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Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen zur Geschichte der Teezeremonie und zum Ablauf des Teeweges "Chado".

(Mehr zum Thema Tee finden Sie auf der Internetseite www.teelexikon.info).


Die Geschichte der japanischen Teezeremonie

Uns Europäern kommt in Verbindung mit Japan schnell die japanische Teezeremonie in den Sinn. Jedoch sind keineswegs alle Japaner mit der traditionellen japanischen Teezeremonie ( jap. 茶の湯 = Cha no Yu ) vertraut, in welcher Pulvertee ( jap. 抹茶 = Matcha ) verwendet wird. Japan ist zwar ein Land von Teetrinkern, aber sie trinken heute fast ausschließlich Grünen Tee der Sorten Sencha ( jap. 煎茶 ) und Gyokuro ( jap. 玉露 ), welche ähnlich wie in Deutschland mit mehr oder weniger heißem Wasser aufgegossen werden, um ihre jeweiligen geschmacklichen Eigenhei-ten zur Geltung zu bringen.

Die Frühzeit

Die Frage, wann der Tee nach Japan kam, ist nicht eindeutig zu beantworten, denn er brauchte eine Reihe von Anläufen, bevor er Verbreitung fand. Die ersten Übernahmen von Anbau, Herstel-lung und Teebereitung aus China sind dabei buddhistischen Mönchen zu verdanken, weil diese in China erfahren hatten, daß die dortigen Mönche des Chan Tee nutzten, um während der langen Medita-tionsphasen wach und aufmerksam zu bleiben.

Gesichert ist, daß der von Kaiser Kammu nach China entsandte Mönch Saichō ( * 9.9.767 - † 26.6.822, jap. 最澄 ) im Jahre 805 von dort mit Lehren zurückkehrte, die sich zum Tendai-Buddhismus (Zen) entwickelten. Er gründete das Kloster Enryaku-ji am Berg Hieizan im Norden der Hauptstadt Heian ( heute Kyoto ), welches sich zu einem der einflußreichsten klösterlichen Zentren Japans entwickelte, und dort ist er begraben. Für die erwähnten Zwecke der Meditation brachte Saichō aber auch Teesamen mit nach Japan und initiierte den Anbau von Tee am Hieizan. Eine Verbreitung fand der Tee jedoch noch nicht.

Erst der buddhistische Mönch Eisai ( * 1141, † 1.8.1215, jap. 栄西 ) brachte 1191 den geschlagenen Tee auf der Basis von Pulvertee mitsamt der chinesischen Teezeremonie der Song-Dynastie zwecks Unterstützung der klösterlichen Meditation nach Japan. Eisai übergab die mitgebrachten Teesamen an Abt Myōe des Tempels Kōzan-ji  in Togano, der dort den Anbau von Tee in Japan initiierte.


Der Teeweg

Der Aristokratie, die das neue Getränk gleichfalls für sich entdeckt hatte, waren jedoch die spirituellen Vorzüge des Tees weniger wichtig. Ihre Gesellschaften und Gelage waren eine Mischung aus vulgärem Angebertum und raffiniertestem Luxus. Tee als Meditationshilfe und Tee als mondänes Genußmittel waren daher zwei Aspekte, die immer nebeneinander vorhanden waren. Erst in der Azuchi-Momoyama-Periode ( 1573 - 1603, jap. 安土桃山時代 ) entstand so etwas wie eine Teephilosophie, der sog. Teeweg ( jap. 茶道 = Chadō ), zu dessen Ausformung insbesondere der Mönch Sen no Rikyū ( * 1522, † 21.04.1591, jap. 千利休 ) und der Samurai Toyotomi Hideyoshi ( * 17.03.1537, † 18.09.1598, jap. 豊臣 秀吉 ) beigetragen haben. Der große Teemeister Sen no Rikyū formulierte nämlich die Grundlagen der japanischen Teezeremonie und seine an der Grundhaltung des „ Wabi “ ( jap. 侘 = Schlichtheit ) orientierten Prinzipien werden noch heute weitgehend eingehalten und insbesondere in den Teeschulen seiner Nachfahren ( Urasenke, Omotesenke und Mushanokoji senke ), aber auch in der mit der DJG verbundenen Teeschule Ueda Sôko Ryû in Hiroshima vermittelt. Die Prinzipien des Wabi wurden dabei von Sen no Rikyū in bewußtem Gegensatz zu den aristokratischen Ausschweifungen und durch Weiterentwicklung der Ideen seiner Vorbilder bzw. Lehrer Murata Shukȏ ( * 1422, † 1502, jap. 村田 珠光 ) und Takeno Jȏȏ ( * 1502, † 1555, jap. 武野 紹鴎 ) formuliert.

Der Teeweg wurde im Laufe der Zeit zu einer Art Lebensphilosophie der Einfachheit, die auch die anderen „ Künste “, wie Architektur und Gartenbau, Kunsthandwerk und Blumenkunst, Malerei und Kalligraphie beeinflußte.


Das Teehaus

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den aristokratischen, von verschwenderischer Atmo-sphäre geprägten Teetreffen und dem Wabi-Tee liegt in der Raumgröße, die bei letzterem übli-cherweise einen Jô ( jap. 丈 = 3,03 m ) im Quadrat beträgt und sich in einem gesonderten Teehaus ( jap. 茶室 = Chashitsu ) befindet, in welchem somit 4½ Standardmatten ( jap. 畳 = Tatami, 90 x 180 cm ) Platz finden und welches eine Bildnische ( jap. 床の間 = Tokonoma ) und eine  im Boden versenkte Herdstelle ( jap. 炉 = Ro ) beinhaltet. Zudem umgibt das Teehaus oft ein spezieller, schon von Takeno Jȏȏ kreiierter Teegarten ( jap. 茶庭 = Chaniwa ), um für die Teilnehmer an einer Teezeremonie einen Abstand vom täglichen Leben zu schaffen. Typische Elemente sind eine Wartehalle ( jap. 待合 = Machiai), der sog. Gartenpfad ( jap. 露地 = Roji ), eine Steinlaterne ( jap. 石灯籠 = Ishidōrō ) und ein Wasserbecken ( jap. 蹲踞 = Tsukubai ) zur Reinigung von Gesicht und Händen. Ein solches Teehaus mitsamt Teegarten betreut auch die DJG im Stadtpark Hannover. Sie sind Ge-schenke der Partnerstadt Hiroshima und wurden von Großmeister Ueda entworfen.


Ablauf einer Teezeremonie

Die Teezeremonie kann auf verschiedene Weise zelebriert werden. Das hängt zum einen von der Teeschule ab, der der Gastgeber bzw. Teemeister angehört, zum anderen sind Anlaß und Jahres-zeit maßgeblich. Aber in ihren wesentlichen Bestandteilen gleicht eine Teezeremonie der anderen.

Die Teilnehmer an einer Teezeremonie sammeln sich in der Machiai und haben dort die Muße, alle „weltliche  Hektik“ abzulegen, ihre Alltagssorgen auszuschalten und sich in Demut, Ausgeglichenheit und Mäßigung zu üben.

Nachdem der Gastgeber seine Gäste begrüßt hat, folgen sie ihm auf dem Gartenpfad zum Tee-haus. Am Wasserbecken verweilen sie kurz, um die Hände zu reinigen und  den Mund zu spülen und so symbolisch innerlich gereinigt, das Teehaus durch einen niedrigen Eingang zu betreten. Dort würdigen sie die Schriftrolle in der Tokonoma und das Blumenarrangement und nehmen ihre vorgegebenen Plätze ein. Nun serviert der Gastgeber ein leichtes Mahl ( jap. 懐石 = kaiseki ) bzw. klei-ne Süßigkeiten, bevor der Tee bereitet wird.

Die eigentliche Teezeremonie besteht dann aus zwei Teilen, dem sog. „ dicken Tee “ ( jap. 濃茶 = Koicha ), bei welchem alle Gäste den schaumig geschlagenen Tee aus einer einzigen Teeschale trinken, und dem sog. „ dünnen Tee “ ( jap. 薄茶 = Usucha ), den jeder Gast aus einer individuell für ihn zubereiteten Schale trinkt.