Shodo bezeichnet den Weg des Schreibens und wird auch zutreffend mit Schreibkunst übersetzt. Das im Westen übliche Wort "Kalligraphie" trifft den umfassenden Sinn des Begriffes Shodo nicht hinreichend, da die westliche Kultur darunter im wesentlichen Schönschrift versteht.
Shodo ist aus dem Gebrauch der chinesischen Schriftzeichen (Kanji) hervorgegangen. Die Schriftzeichen, die in Japan benutzt werden, wurden aus China übernommen.
Der erste Ursprung chinesischer Schriftzeichen, der nachweisbar ist, sind 3.500 Jahre alte Funde von Schriftzeichen auf Tierknochen und Panzern, Jishuwen genannt. Sie stammen aus der Shang-Dynastie, 1.600-1.100 v. Chr. Im Laufe der Jahrhunderte gewann die Entwicklung der Schriftzeichen an Bedeutung. Vor ca. 1.300 Jahren entwickelte sich der Schriftzeichentyp, der auch heute noch genutzt wird, Kaishu genannt.
Die gemalten Schriftzeichen fallen unter die räumliche Kunst. Für die Kalligraphie benötigt man die traditionellen Werkzeuge Pinsel, Papier und Tinte. Aber auch die Elemente Aufbau, Dekoration, Bewegung und Raum spielen eine zentrale Rolle. Ziel ist, dass der Künstler den Augenblick erfasst, in dem er über sein Werk herrscht. Dann sprechen die Bilder durch sich selbst und verleihen dem Werk eine Seele. Der reine Geist ist wichtig, um den Bildern Ausdruck, Schönheit und Würde zu verleihen.
Unsere Gesellschaft führt auf vielen Veranstaltungen und Festen immer wieder Kalligraphie als Bestandteil der kulturellen Tradition Japans vor. Unter der Leitung der aus Hiroshima stammenden Künstlerin Kanae Kimura veranstalten wir in regelmäßigen Abständen Kalligraphie-Kurse .

Itsuko Cuny bei der Kunst der Kalligraphie, Schloss Bückeburg