Ikebana

Ikebana heißt „lebende Blume“. Seine Geschichte reicht bis in das 7. Jahrhundert zurück. Nach der Legende brachte der japanische Gesandte Ono no Imoko, den die Ikenobo-Familie als ihren Vorfahren betrachtet, aus China die Sitte mit, Buddha ein Blumenopfer darzubringen. Nach mehreren hundert Jahren wurde aus dem Blumenopfer eine von Zen beeinflusste Blumenkunst; seit Mitte des 15. Jh. wurden Ikebanas in Privathäusern zusammen mit anderen Kunstgegenständen als Dekoration in eine Nische (Tokonoma) gestellt. Es entstanden strenge Regeln, die zum geistigen Schulungsweg wurden und die Ikenobo Senkei, der als der historische Gründer der Ikenobo-Schule gilt, systematisierte. Aus dieser sind im Laufe der Zeit viele andere Ikebana-Schulen hervorgegangen.

Ikebana lebt durch Individualität und Ausdruck des Arrangeurs und durch sein Üben in geistiger Disziplin. Die aufgezeichneten Regeln gelten seit Jahrhunderten, neue sind hinzugekommen, und es entstehen immer noch weitere, die dem Zeitgeist angepasst werden. Um Ikebana harmonisch erstellen zu können, ist eine jahrelange Schulung nötig. Durch Konzentration auf das Wesentliche gilt es, die Eigenschaften der Pflanzen kennen zu lernen, Gefühl für Proportionen, Linien, Massen, Flächen und Farbkombinationen zu entwickeln und Übereinstimmung zwischen Material und Gefäß herzustellen. Die Pflanzen werden aus ihrer natürlichen Umgebung herausgenommen und auf natürliche Weise oder auch in abstrahierter Form in eine Schale oder Vase gestellt. Es wird die Asymmetrie sowie das Gleichgewicht zwischen Fülle und Leere in der Komposition betont, wie es in der japanischen bildenden Kunst üblich ist.

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Hannover hat drei aktive Ikebana-Expertinnen in ihren Reihen: Frau Sigrid Didjurgis lehrt nach den Regeln der Sogetsu-Schule, Frau Heidrun Schmidt-Plachta ist Lehrmeisterin der Ikenobo-Schule, und Frau Yuko Ziegler Meisterin der Ohara-Schule. Mit ihren Schülerinnen und Schülern tragen sie mit zu den Veranstaltungen der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Hannover bei.

Die Ikenobo-Ikebana-Schule hat im Laufe der Jahrhunderte viele unterschiedliche Formen des Ikebana hervorgebracht. Der Rikka-Stil, von dem man sagt, er fange die Seele der Natur ein, stellt eine stilisierte Landschaft in der Ferne dar - mit Bergen, Wasserfall, Fluss, Tal, Stadt und Meer. Aufgebaut wird Rikka heute mit sieben oder neun Hauptelementen. Shoka, ein sehr reduziertes, elegantes Arrangement, entstand im 18. Jahrhundert mit nur drei Hauptelementen. Es kann, genau wie Rikka, in traditioneller und moderner Art erstellt werden. Shoka zeigt die Natur mit ihren ständigen Veränderungen in den Jahreszeiten. Für beide Stile ist kennzeichnend, dass die Arrangements aus einem Fuß aufsteigen. Jiyuka nennt man den Freien Stil, von dem es zweierlei Richtungen gibt. In der einen wird das natürliche Wachstum der Pflanzen in Schalen oder Vasen hervorgehoben, während sich in der anderen die Kreativität des Arrangeurs mit jedem beliebigen Material, auch nichtpflanzlicher Herkunft, frei entfalten kann und keinerlei Einschränkungen bestehen. Die traditionellen und modernen Formen mit ihren vielen Variationen stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Die Ohara-Ikebana-Schule wurde im Jahr 1895 von dem Bildhauer Unshin Ohara gegründet; er war Wegbereiter eines neuen Ikebana. Diese Schule hat im Laufe der Zeit viele Ikebana-Stile geschaffen. Nachdem sich Japan dem Westen geöffnet hatte, lernten die Japaner viele westliche Blumen kennen, die in Mode kamen. Im Ikebana, wie man es bis dahin kannte, wirkten sie aber ungewohnt. Unshin Ohara stellte seine Kompositionen in flache Schalen, womit er eine große Freiheit in der Gestaltung erreichte, integrierte diese Blumen und nannte seine Neuheit Moribana (aufgehäufte Blumen). Mit dem Moribana war es vielen Japanern möglich, ihr neues verändertes Lebensgefühl auszudrücken. Es entstand eine neuen Art der Landschaftsgestaltung, bei der besonders Wert auf die natürliche Anordnung der Pflanzen gelegt wird. Moribana ist auf den neuzeitlichen Wohnstil ausgerichtet. Die Ohara-Schule lehrt eine Reihe weiterer Stile, wie z.B. Heika, eine Anordnung der Pflanzen in Vasen, Bunjin-Ikebana, das alte chinesische Literatur und Malerei nachempfindet oder die moderne Form Hanamai, „tanzende Blumen“ bzw. "Blumentanz".

Die Sogetsu-Ikebana-Schule wurde von Sofu Teshigahara im Jahr 1926 gegründet. Er war Bildhauer und Kalligraph. Schon als Kind lernte er Ikebana nach traditionellen Regeln; als Erwachsener wollte er seine eigene Auffassung von Ikebana verwirklichen. Er war der Meinung, Ikebana könne überall dort stehen, wo Menschen leben, nicht nur in der Tokonoma-Nische. Die Pflanzen stellte er nicht nur in Schalen und Vasen, sondern benutzte jeden beliebigen Behälter. Teshigahara bezog außer Pflanzen trockenes Holz und Gras, Draht, Zellophan, Metall usw. in seine Arrangements mit ein. Aus Baum- und Aststümpfen bildete er große Skulpturen. Diese Auffassung von Ikebana war zu jener Zeit revolutionär, hat sich aber inzwischen längst etabliert. Die Sogetsu-Schule lehrt zwei Basisstile in verschiedenen Variationen, nämlich Moribana und Nageire (Vasenarrangement) in natürlicher Anordnung. Beide, Vasen- und Schalenarrangement, werden auch kombiniert. Linien und Farben sind ein wesentliches Gestaltungselement. Das Üben der Basisstile ist die Voraussetzung, um kreativ im freien Stil der Sogetsu-Schule arbeiten zu können. Sofu Teshigahara machte zur Ikebana-Kunst eine wichtige Aussage, die für alle Ikebana-Schulen gilt: Vor dem Experimentieren erst die Regeln lernen, sonst ist alles verlorene Zeit.

Die Ikebana Schulen betrachten ihre Kunst auf einer Ebene mit allen anderen Kunstrichtungen. Ikebana hat seinen Platz im täglichen Leben als Schmuck für den Wohnraum oder für andere Gelegenheiten. Es vereint Natur, Schönheit und Harmonie auf unvergleichliche Art. Ikebana ist fest in das kulturelle Leben Japans eingeschlossen und wird überall auf der Welt ausgeübt.

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Hannover hat drei Mitglieder in ihren Reihen, die die Ikebana-Kunst lehren: Frau Yuko Ziegler (Ohara-Schule), Frau Schmidt-Plachta (Ikenobu-Schule) und Frau Sigrid Didjurgis (Sogetsu-Schule).

Ikebana Blumenarrangement in einer Vase (Heidrun Schmidt-Plachta)

Ikebana Blumenarrangement in einer Vase, Ausstellung auf Schloss Bückeburg, Juni 2003

Ikebana Blumenarrangement in einer Vase, Ausstellung auf Schloss Bückeburg, Juni 2003

 

Ikebana Blumenanordnung in einer Schale, Ausstellung auf Schloss Bückeburg, Juni 2003

Ikebana Blumenanordnung in einer Schale, Ausstellung auf Schloss Bückeburg, Juni 2003