Haiku

Der kleine Kirschbaum
reckt nach all der Blütenpracht
wie erleichtert sich.

Dr. Rudi Hoffmann

Haiku ist eine der wichtigsten traditionellen japanischen Poesieformen. Haiku ist ein 17silbiger Vers, der aus drei Zeilen aus 5, 7 und 5 Silben besteht. Seit frühester Zeit besteht eine Unsicherheit im Gebrauch der drei Bezeichnungen Haiku, Hokku und Haikai. Der Ausdruck hokku meint "Anfangsvers" und war der Beginn eines wesentlich längeren Gedichtes, das als haika bezeichnet wurde. Aufgrund seines prägenden Charakters dominierte hokku die folgenden Verse derart, dass es eine bevorzugte Position in der Haikai-Poesie einnahm. Es war oftmals üblich für einen Dichter, dass er ein hokku dichtete und den Rest wegließ.

Masaoka Shiki war es, der um 1890 die Unabhängigkeit durch die Schaffung des Begriffs "Haiku" etablierte. Diese neue Form der Poesie wurde geschrieben, gelesen und verstanden als eine unabhängige Form der Poesie, in sich geschlossen und nicht mehr länger ein Teil eines längeren Gedichts.

Die Geschichte des Haiku begann in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Die wunderbaren Verse der Edo-Periode (1600-1868) mit den herausragenden Vertretern Basho, Yosa Buson und Kobayashi Issa sind hokku und müssen in der Historie der haikai gelesen werden, obwohl sie heute als unabhängige Haiku gelesen werden. Die Unterscheidung zwischen hokku und haiku folgt heute den Bezeichnungen "Classical Haiku" und "Modernes Haiku".

Die Geschichte des moderen Haiku beginnt mit dem schon erwähnten Masaoka Shiki im Jahre 1882, der Haiku als neue, unabhängige poetische Form etablierte. Shikis Reform änderte aber nichts an der traditionellen Zahl von 17 Silben, die in drei Gruppen von 5, 7 und 5 aufgeteilt werden. Haiku behandeln ein Thema, das auf die verschiedenen Jahreszeiten bezogen ist. Auch werden zwei Regeln befolgt: zum einen wirken Haiku realistischer, wenn kein Interesse in ihnen erkennbar ist, und zum anderen ist der erste Eindruck des Poeten entscheidend, denn nur so wirken Haiku authentisch.